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Eine sanierungsbedürftige Dachgeschosswohnung aus dem Jahr 1935 mit rund 67 m² Wohnfläche und ausgebautem Spitzboden war der Ausgangspunkt eines Projekts, das mich bis heute prägt.

 

Mein Ziel war zunächst einfach formuliert: Die Wohnung sollte technisch und gestalterisch an die Anforderungen modernen Wohnens angepasst werden, ohne dabei ihren Charakter zu verlieren.

Aus der kleinteiligen Struktur einer typischen Vorkriegswohnung sollte ein offener, flexibler Lebensraum entstehen – hell, funktional und individuell.

Was ich damals unterschätzte, war nicht die eigentliche Sanierung. Es war die schiere Anzahl der Entscheidungen, die zwischen einer Idee und ihrer erfolgreichen Umsetzung liegen.

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​​​​​​​​Aus vagen Vorstellungen mussten konkrete Anforderungen werden. Welche Wände können entfernt werden? Wie verändert sich dadurch die Raumwirkung? Welche Auswirkungen hat eine Entscheidung auf Statik, Haustechnik, Kosten, Zeitplan oder spätere Nutzung? Welche Lösung wirkt auf dem Plan überzeugend und funktioniert auch noch Jahre später im Alltag?

Zu Beginn wusste ich selbst nur grob, welche Leistungen ein Architekt übernehmen kann, wie ein Planungsprozess abläuft und welche Kosten damit verbunden sind. Für den Architekten begann das Projekt daher zunächst wie ein klassischer Auftrag: In mehreren Gesprächen wurden Wünsche und Ideen aufgenommen und in eine Entwurfsplanung übersetzt.

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Mit dieser Planung arbeitete ich anschließend über längere Zeit eigenständig weiter. Doch je tiefer das Projekt in die Umsetzung ging, desto deutlicher zeigte sich, wie eng die einzelnen Themen miteinander verknüpft sind. Immer wieder entstanden Fragestellungen, die neue Betrachtungen oder zusätzliche Expertise erforderten. Aus dem ursprünglich punktuellen Kontakt entwickelte sich deshalb über die Zeit eine intensive, dialoggeführte Zusammenarbeit, in der Ideen hinterfragt, weiterentwickelt und gemeinsam zu tragfähigen Lösungen ausgearbeitet wurden.

Mit jeder Projektphase eröffneten sich neue Themenwelten. Entscheidungen beschränkten sich längst nicht auf Grundrisse oder Materialauswahl. Plötzlich beschäftigte ich mich mit der Farblehre von Le Corbusier, analysierte Materialwirkungen und entwickelte Berechnungsmodelle, um aus den Abstrahlwinkeln geplanter Deckenleuchten deren Lichtkegel auf Wandflächen zu projizieren. Ziel war nicht die technisch richtige, sondern die räumlich gewünschte Wirkung. Aus einer Renovierung wurde so eine intensive Auseinandersetzung mit Architektur, Gestaltung und Technik.

Das Ergebnis war alles andere als eine Standardwohnung. Ein begehbares Regal wurde zur Treppe in den Spitzboden. Das Badezimmer verschwand nahezu unsichtbar hinter einer Schrankfront. Ein Vorhang ersetzte klassische Raumtrennungen und machte Arbeits- und Wohnbereiche flexibel nutzbar. Durch den Rückbau der Decke entstand eine neue räumliche Verbindung zwischen den Ebenen, während ein großes Dachfenster den Blick auf den Stuttgarter Fernsehturm öffnet​​​​​​​​​​.

 

Heute wirken diese Lösungen selbstverständlich. Während der Planung waren sie jedoch das Ergebnis zahlloser Gespräche, Detailentscheidungen und Abwägungen.

Da meine handwerklichen Fähigkeiten eher begrenzt sind, bestand mein Beitrag nicht im Verlegen von Böden oder Errichten von Trockenbauwänden. Stattdessen übernahm ich auf Basis der Entwurfsplanung die Koordination und Bauleitung des Projekts. Rückblickend war genau das die eigentliche Schule dieser Sanierung.

Rund 1.000 Stunden investierte ich in Abstimmungen, Angebotsvergleiche, Terminplanung, Baustellenbegehungen, Problemlösungen und Entscheidungen. Vor allem aber lernte ich, wie schnell Umfang, Aufwand und Komplexität eines Projekts unterschätzt werden können und wie stark nahezu jede Entscheidung andere Bereiche beeinflusst.

Heute wirken diese Lösungen selbstverständlich. Während der Planung waren sie jedoch das Ergebnis zahlloser Gespräche, Detailentscheidungen und Abwägungen.

Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit begleitet mich bis heute:

Die größte Herausforderung beim Bauen, Kaufen und Sanieren liegt selten in einzelnen Entscheidungen – sondern darin, ihre Auswirkungen rechtzeitig zu erkennen.

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Das fertige Projekt fand schließlich auch über die Wohnung hinaus Beachtung. Es wurde unter anderem in der Stuttgarter Zeitung („Nach oben offen“), der SWR Landesschau („Wohnen extrem“), in Das Haus und der AIT vorgestellt. Darüber hinaus wurde es von Archilovers unter den Best Projects 2025 ausgezeichnet und für die Best of Interior 2026 Awards des Callwey Verlags nominiert.

Mehr als die Veröffentlichungen selbst freut mich dabei die Bestätigung eines Gedankens, der das gesamte Projekt geprägt hat: Gute Ergebnisse entstehen selten durch einzelne große Entscheidungen. Sie entstehen durch konsequentes Abwägen, Verstehen und Weiterdenken – oft über viele Monate und hunderte kleiner Entscheidungen hinweg.

Genau diese Erfahrung bringe ich heute in die Begleitung von Bauherren und Erstkäufern ein.

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Projektinformation:

Ort

Stuttgart

 

Architekturbüro

SOMAA

Team

Hadi Tandawardaja

Hagen Ohm

Fotografie

Zooey Braun

Fertigstellungszeitraum

2022-2024

 

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